designxport: neues Zentrum für Design öffnet in Hamburg seine Tore

Mit rund 14.000 Designern und 3.000 Büros ist Hamburg eine Designmetropole. Im bundesweiten Vergleich gibt es in diesem Bereich in der Hansestadt die höchste Anzahl an Erwerbstätigen. Die Designbranche ist außerdem der Teilbereich mit den meisten Selbständigen und Unternehmen innerhalb der Kreativwirtschaft. Sie setzten im Jahr 2008 insgesamt 1,2 Milliarden Euro um.

Daraus folgert Dr. Babette Perters, Geschäftsführerin der designxport GmbH: "Hamburg braucht einen Ort, an dem sich zeitgenössisches Design präsentieren kann." Nach zwölf Jahren des Engagements hat sich der Traum der Kunsthistorikerin erfüllt. Am 4. Juli 2014 öffnet in der Hamburger Hafencity das neue Zentrum für Design, designxport, seine Tore.

 

Innenraumgesaltung von Stephen Williams Associates © Daniele Manduzio

designxport ist ein Projekt des Designxport e.V. Dieser ist aus der Initiative hamburgunddesign hervorgegangen, die 1995 von der damaligen Wirtschaftsbehörde mit dem Ziel gegründet wurde, den Designstandort Hamburg zu fördern. 1999 übernahm Babette Peters die Leitung der Initiative.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des politisch angekündigten Aus der Hamburger Designförderung während der Amtszeit des Zweiten Bürgermeisters Ronald Schill entwickelten die Mitglieder des Beirats von hamburgunddesign in einer 'Standort AG' ein Konzept für ein Designzentrum in Hamburg. Peters gründete 2004 zusammen mit Peter Wippermann, Wippermann Trendforschung, Andreas Heller, Andreas Heller Architects & Designers, Alexander Raab, clic Inneneinrichtung, Peter Martin Schöning, ehemals Scholz & Friends, Jörg Willich, Verinion, und Strategieberater Günther van Ravenzwaay zunächst den gemeinnützigen Förderverein designxport e.V. 2009 entstand die  designxport GmbH als zukünftige Betreibergesellschaft, nachdem ein geeigneter Standort gefunden und ein tragfähiges Finanzierungskonzept entwickelt worden war. Nach dem Ausscheiden von van Ravenzwaay und Schöning traten 2012 Claudia Fischer-Appelt, Karl Anders, und Christian Schüten, BFGF Design Studios, dem designxport e.V. bei, der alleiniger Gesellschafter der designxport GmbH ist.

 

Galerie mit Bibliothek und Arbeitsplatz © Daniele Manduzio

Die Grundsteinlegung von designxport erfolgte am 31. Mai 2012. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, sagte in seinem Grußwort: "designxport wird Hamburg verstärkt als Designmetropole Deutschlands sichtbar machen. designxport ist Impulsgeber für den Designstandort in den Elbarkaden und wird zukünftig Hamburgs öffentliches Schaufenster für einen der vier größten Teilmärkte der Hamburger Kreativwirtschaft sein."

Für die Innenausstattung des 700 qm großen Designzentrums direkt an den 170 Meter langen Elbarkaden wurden mehrere Hamburger Büros zur Präsentation ihrer gestalterischen Ideen eingeladen. Der Verein entschied sich einhellig für Stephen Williams Associates – Architecture/ Design/ Identity.

Laut Peters sollten die Räumlichkeiten designxport als "Botschafter der Designmetropole charakterisieren". Der Architekt Williams stellt heraus, dass es galt, einen Raum zu schaffen, der Design nicht elitär, sondern für jeden zugängig präsentiert: "Eine Idee, wenn sie gut ist, darf nicht daran scheitern, dass man sie nicht ausstellen kann. designxport ist ein demokratischer Ort für Leute mit großen Ideen, aber oft limitierten Budget." Williams' Partnerin Julia Erdmann fügt hinzu: "designxport ist vielmehr eine Bühne für Design. Unser Fokus liegt in erster Linie nicht auf dem visuellen Effekt, sondern in der Performance, der Bespielung des Raumes. Die Ausstellungselemente stehen wie spielbare Instrumente zur Verfügung."

 

'Tafelrunde' und Kaffeebar © Daniele Manduzio

Teil des Konzeptes ist ein großer Tisch zum Zusammentreffen und Arbeiten, aber auch für Vorträge, sog. Tafelrunden. Eine flexible 'Wall of Fame' verdeutlicht einen Schwerpunkt des Hamburger Standorts für Design: ortsansässige Packaging- und Kommunikationsdesigner, deren Gestaltungsideen in Supermärkten in ganz Deutschland und darüber hinaus zusehen sind. Auch der Shop fokussiert den Designstandort Hamburg. Im xshop werden lokal gestaltete Produkte verkauft, teilweise in Sondereditionen, unter anderem von Bethge Hamburg, Papermoles, Pliet, Besau-Marguerre, Milia Seyppel, Silvia Knüppel, Tobias Grau, Hadi Teherani, Mutabor, Gudberg und Korefe. Nachhaltigkeit spielt hier wie auch im Gesamtkonzept des Standortes eine wichtige Rolle. Bürostühle und Teppichware tragen die Cradle to Cradle-Zertifizierung der in Hamburg ansässigen EPEA Internationale Umweltforschung.

 

 

xhop mit Produkten von Hamburger Designern © Daniele Manduzio

Neben der Funktion als Treffpunkt für Kreative funktioniert designxport als Ort für diskursive, interdisziplinäre Diskussionen und Präsentationen zu Themen des gesellschaftlichen, urbanen, ökologischen und sozialen Wandels. In der ersten programmatischen Late Night XConference von beschäftigen sich die Referenten Peter Wippermann, Heinrich Paravicini, Julia Lohmann, Sascha Lobo, Jacqueline Otten und Harald Gründl mit dem gesellschaftlichen Bedeutungswandel von Design. (4. Juli 2014 ab 16 Uhr, um 18 und 22 Uhr unterbrochen vom designxport-viewing Viertelfinale Fußball-WM, der Eintritt ist frei)

Neben den regelmäßig stattfindenden Tafelrunden gehört auch das jährliche popup festival zum Programm von designxport. Am Eröffnungswochenende findet es in direkter Nachbarschaft statt. In zwölf Designbüros und -geschäften in der HafenCity, der Speicherstadt, in der Neustadt und im Portugiesenviertel können Interessierte Einblicke in die Entstehung von Designideen gewinnen. (5. und 6. Juli 2014 von 12 bis 18 Uhr vor Ort bei den Designern, der Eintritt ist frei).

Analog und ohne Technik bringen Designer ihre Idee bei den design/short/cuts auf den Punkt. Dazu haben sie lediglich drei Minuten Zeit, dann klingelt der Küchenwecker. Das von den 'Fahrstuhlpräsentationen' in Werbeagenturen inspirierte Konzept ist ebenfalls regelmäßiger Programmpunkt von designxport. Auf Einladung des Vereins kuratieren zudem Designer temporäre Präsentationen. Eine variable Ausstellungswand, große Schaufenster und von der Decke hängende Plattformen zeigen weitere wechselnde Design-Ausstellungen.

 

Flexible 'Wall of Fame' © Daniele Manduzio

In der Research-Lounge bietet eine Präsenzbibliothek aktuelle Publikationen und bisher unveröffentlichte Abschlussarbeiten von Studierenden verschiedener Hochschulen, unter anderem zu Hamburger Gestaltung, innovativen Nachhaltigkeitskonzepten sowie Designtheorie und -forschung. Ein Materialarchiv präsentiert eine kontinuierlich aktualisierte Auswahl zukunftsweisender Materialien. Eine umfangreiche Sammlung internationaler Designmagazine, Fanzines und Artzines lädt zum Stöbern ein.

 

 

Bibliothek © Daniele Manduzio

Gefördert wird designxport von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg, HafenCity Hamburg GmbH, Stephen Williams Associates, Zumtobel, Desso, Steelcase, dem Hamburger Designer Tobias Grau, Wilkens & Söhne und Création Baumann. Partner des Designzentrums sind Die HAW Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg und die Stuttgarter Materialagentur Raumprobe.

Mehr Infos unter www.designxport.de.

(as) 04.07.2014